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    Landesprogramm „Präventionsketten Hessen“: Zehntes Austausch- und Vernetzungstreffen

    Bericht zur Veranstaltung vom 10.06.2026

    Datum: Mi., 10.06.2026

    Zeit: 09:30-13:00 Uhr

    Ort: digital

    Viele Hände halten die Fäden zusammen.
    © melita - stock.adobe.com

    Am 10. Juni 2026 fand das digitale Austauschtreffen der Koordinierenden des Landesprogramms Präventionsketten Hessen statt. Im Mittelpunkt standen Ansätze zur Erhebung von Bedarfen von Kindern und Familien sowie die Frage, wie die Wirkung von Maßnahmen sichtbar gemacht werden kann. Neben der Vorstellung von Ergebnissen einer Elternbefragung aus Offenbach und einem Praxisbericht zu einer gemeinsamen Fachveranstaltung der Landkreise Kassel und Hersfeld-Rotenburg bot das Treffen Raum für den Erfahrungsaustausch zu Methoden der Bedarfserhebung, Wirkungsmessung und Beteiligung.

    Ergebnisse der Elternbefragung in Offenbach

    Die Untersuchung identifizierte drei Dimensionen elterlicher Erziehung: eine dialogisch-unterstützende, eine struktur- und regelorientierte sowie eine partizipative Dimension. Entgegen einer zuvor durchgeführten Fachkräftebefragung zeigte sich, dass Armutsgefährdung keinen direkten Einfluss auf das Erziehungsverhalten hat. Auch Merkmale wie Bildung und Migration sowie weitere Belastungsfaktoren erklären Unterschiede im elterlichen Handeln nur begrenzt.

    Als besonders bedeutsam erwiesen sich hingegen die Erziehungssicherheit der Eltern sowie ihre Werteorientierungen. Eltern mit hoher Erziehungssicherheit zeigten mehr Dialog, klarere Regeln und eine stärkere Beteiligung ihrer Kinder. Die Ergebnisse legen nahe, dass Erziehung weniger durch die soziale Lage als durch individuelle Ressourcen, Handlungssicherheit und familiäre Wertvorstellungen geprägt wird.

    In der anschließenden Diskussion wurde die Bedeutung einer reflektierten Haltung von Fachkräften hervorgehoben. Dabei wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, inwiefern Armutssensibilität, Habitussensibilität und Kultursensibilität dazu beitragen können, stereotype Annahmen über Familien zu vermeiden. Aus Offenbach wurde zudem dafür plädiert, soziale Herausforderungen stärker kleinräumig zu betrachten und den Blick auf konkrete Bedarfe in Quartieren und Sozialräumen zu richten.

    Der ausführliche Bericht zur Befragung befindet sich derzeit in Erstellung und soll voraussichtlich im August veröffentlicht werden.

    Kinderrechte in kommunalen Entscheidungen – ein gemeinsamer Online-Fachimpuls

    Einen praxisnahen Einblick in die landkreisübergreifende Zusammenarbeit gaben Mareike Zielke (Präventionskettenkoordinatorin Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Sibylle Heicke (Präventionskettenkoordinatorin Landkreis Kassel) mit der Vorstellung des digitalen Fachimpulses „Kinderrechte in kommunalen Entscheidungen“. Dieser fand im Mai 2026 im Rahmen der Präventionsketten beider Landkreise statt.

    Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Frage, welche Bedeutung Kinderrechte für kommunale Entscheidungen auch außerhalb klassischer Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe haben. Gemeinsam mit Prof. Dr. Philipp Donath (Professor für Rechtswissenschaften, University of Labour in Frankfurt am Main) wurde beleuchtet, wie Kinderrechte als rechtlicher und fachlicher Maßstab in Verwaltungshandeln, politischen Entscheidungsprozessen und kommunalen Verfahren berücksichtigt werden können. Dabei wurde deutlich, dass Kinderrechte beispielsweise auch bei Planungs-, Umwelt- oder Haushaltsentscheidungen berührt sein können.

    Im Austauschtreffen standen insbesondere die Erfahrungen aus der Planung und Umsetzung der Veranstaltung im Mittelpunkt. Die beiden Koordinatorinnen berichteten von der erfolgreichen landkreisübergreifenden Zusammenarbeit und den positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden. Die gemeinsame Organisation ermöglichte es, Ressourcen zu bündeln und ein Thema aufzugreifen, das für unterschiedliche Fachbereiche in Kommunen von hoher Relevanz ist.

    Die Vorstellung verdeutlichte, wie Präventionskettenkommunen durch Kooperationen fachliche Impulse setzen und aktuelle Themen gemeinsam bearbeiten können.

    Austausch zur Bedarfserhebung und Wirkungsmessung

    Im dritten Programmpunkt tauschten sich die Teilnehmenden anhand eines digitalen Whiteboards darüber aus, wie Bedarfe von Kindern und Familien erhoben werden und wie die Wirksamkeit von Maßnahmen eingeschätzt werden kann. Deutlich wurde, dass hierfür in den Kommunen unterschiedliche Zugänge genutzt werden. Neben Eltern-, Kinder- und Jugendbefragungen spielen Sozialraumarbeit, Netzwerkarbeit, Fokusgruppen, persönliche Gespräche sowie Rückmeldungen von Fachkräften eine wichtige Rolle. Einige Kommunen nutzen zudem bestehende Angebote und Begegnungsorte, um Bedarfe niedrigschwellig zu erfassen. Die Erhebungen erfolgen meist anlass- und projektbezogen; feste Erhebungszyklen bestehen nur vereinzelt.

    Auch bei der Frage, woran erkennbar wird, ob Maßnahmen Familien und Kinder erreichen, zeigte sich ein breites Spektrum an Vorgehensweisen. Genannt wurden unter anderem Teilnehmendenzahlen, Evaluationsbögen, Befragungen sowie qualitative Rückmeldungen aus dem direkten Kontakt mit Familien. Gleichzeitig wurde betont, dass viele Wirkungen erst langfristig sichtbar werden und sich nicht immer unmittelbar messen lassen.

    Als erfolgreiche Ansätze wurden insbesondere die enge Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern, der kontinuierliche persönliche Austausch mit Familien sowie strukturierte Verfahren zur Erfassung von Bedarfen hervorgehoben. Herausforderungen bestehen weiterhin darin, bestimmte Zielgruppen für Befragungen zu erreichen, datenschutzrechtliche Anforderungen zu berücksichtigen und die gewonnenen Daten systematisch auszuwerten und für die Weiterentwicklung von Angeboten zu nutzen. Als Unterstützungsbedarfe wurden unter anderem fachliche Beratung sowie praxiserprobte Vorlagen und Erhebungsinstrumente genannt.


    Falls Sie an den Beispielen guter Praxis aus unseren Kommunen interessiert sind, können Sie sich gerne per E-Mail praeventionsketten@remove-this.hage.de an uns wenden.
    Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden Kommunen des Landesprogrammes Präventionsketten Hessen für den erfolgreichen Austausch.